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Moderne Lagerplanung und –haltung zeichnet sich durch verschiedene Punkte aus. Über ein optimales Bestandsmanagement lassen sich Lieferschwierigkeiten vermeiden, Lagerkosten reduzieren und die Kundenzufriedenheit verbessern.
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Bestandsmanagement - Lagerbestände runter: Einfach Beistellteile an
Lieferanten verkaufen
Beistellungen - der Lieferant erhält
vom Einkauf (Kunden) Produkte
- sind alltäglich und hilfreich beim Bestandsmanagement. Oft geschieht
dies, wenn Lieferanten als verlängerte
Werkbank Montagetätigkeiten vornehmen,
zum Beispiel Komplettieren von
Rohrschellen oder bei der Konfektionierung
von Kabelbäumen (typische manuelle
Tätigkeit) werden unter anderem
hochwertige Anschluss-Stecker beigestellt.
Beachten Sie: Beistellteile bleiben Eigentum
des Einkaufs (Kunden), werden
im Umlaufvermögen geführt und müssen
somit finanziert werden.
Wie bereits beim Pufferlager und beim
Konsignationslager liegt die Lösung auch in diesem Bestandsmanagement-Bereich nahe:
Der Lieferant kauft die Beistellteile
vom Kunden. Das Geld dafür erhält er
zurück, wenn er die fertig montierten
Produkte liefert und diese Summe dann
zusätzlich zum vereinbarten Montagelohn
berechnet. Bestechend einfach und
in der Praxis des Bestandsmanagements erprobt.
Wenn Sie dieses "Projekt" gut vorbereiten
und der Lieferant bestimmte Mindestvoraussetzungen
erfüllt, steht einer erfolgreichen
Umsetzung höchstens noch ein
anfänglicher Widerstand des Lieferanten
entgegen.
Bei dieser bestandsreduzierenden
Maßnahme werden Aufgaben und
(überschaubare) Risiken auf den Lieferanten
übertragen. Die Argumente, mit denen
der Lieferant zu dieser Maßnahme
überzeugt werden kann, entsprechen übrigens
weitestgehend denen, die auch bei
einem Konsignationslager (auch zu dieser Bestandsmanagement-Lösung bietet unser Fachinformationsdienst wichtige Ratschläge) herangezogen
werden können (siehe Ausgabe 12/06).
Notwendige
Voraussetzungen
Der Lieferant sollte eine gewisse finanzielle
Potenz aufweisen, um die Produkte
tatsächlich bezahlen zu können.
Mögliche Abhilfe, falls diese nicht vorhanden
ist: Der Lieferant erhält ein langes
Zahlungsziel, das es ihm ermöglicht,
seine gekauften Produkte erst dann zu
bezahlen, wenn er sein Geld für die veredelte/
montierte/konfektionierte Ware
erhalten hat.
In der Praxis wird der Kunde
diese Zahlung an den Lieferanten
gleich mit seinen Forderungen aus dem
Verkauf der (ehemaligen) Beistellteile
saldieren, also nur die tatsächliche Wertschöpfung
des Lieferanten bezahlen (also
wie bisher, nur mit dem Unterschied,
dass sich die Bestandshöhe für den Kunden
zum Teil deutlich gesenkt hat)!
Praxis-Beispiel: Einkauf K lässt Rohrschellen
in Polen montieren. Der polnische
Lieferant L erhält von K alle
benötigten Teile beigestellt. Um die
Transportkosten zu minimieren, werden
nur komplett volle Lkw auf die Reise geschickt.
Vom Abschicken der Beistellteile
(Wert: 28.000 Euro) bis zur Anlieferung
der montierten Fertigteile vergehen
durchschnittlich 3,5 Wochen.
Der polnische Lieferant (30 Mitarbeiter)
hat sich voll auf die Bedürfnisse von K eingestellt
und lässt sich daher - zähneknirschend
- auf das neue Abwicklungsmodell
von K ein. L muss ja nur höhere Verkaufspreise
als vorher berechnen.
Da pro Woche 2 Lkw-Lieferungen kommen
und mit Fertigteilen wieder zum Kunden
zurückfahren, muss L durchschnittlich
3,5 x 2 x 28.000 € = 196.000 € finanzieren.
Mit einem Zahlungsziel von 60 Tagen und
einer schnellen Begleichung der Rechnung
durch K ist das für L ohne zusätzliche
Kostenbelastung machbar. K hat in diesem
Zeitraum seine Kapitalbindung durch Bestandsware
um fast 200.000 € reduziert. So einfach funktioniert gutes Bestandsmanagement.
Praxis-Tipp: Vereinbaren Sie auf jeden
Fall einen erweiterten und verlängerten
Eigentumsvorbehalt.
Ein weiterer Vorteil für Sie: Sie bezahlen
nur noch die tatsächlichen Gutteile. Weder
treten leidige Bestandsdifferenzen
auf, weil der Lieferanten einen überhöhten
Ausschuss in seiner Produktion hat,
noch weil er angelieferte Ware im Eigentum
des Kunden zweckentfremdet (sei es
durch Diebstahl oder Einsatz in der Produktion
für andere Kunden).
Praxis-Tipp: Je weiter entfernt der Lieferant
sitzt und je geringer seine Sprachkenntnisse
sind, desto schwieriger sind
erfahrungsgemäß die Bestandsdifferenzen
von beigestellter Ware zu klären.
Sehr wahrscheinlich bleiben Sie auf diesen
Kosten sitzen - das gilt besonders bei
Verpackungen und Rohstoffen. Bedenken Sie das bei Ihrem Bestandsmanagement.
Welcher Preis?
Die tatsächlichen Einstandspreise legt
keiner gerne offen. Da es keine Sicherheit
geben kann, ob ein Lieferant diese
Fakten tatsächlich nur für sich behält,
liegt es nahe, mit dem Lieferanten
"künstliche" Preise zu vereinbaren. Diese
liegen dann deutlich höher als die eigentlichen
Einkaufspreise.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass
bei Einkaufspreisänderungen nicht auch
der Verkaufspreis zum Lieferanten hin
geändert werden muss - und damit natürlich
auch die entsprechenden Verkaufspreise
des Lieferanten zum Kunden für
die veredelten Kaufteile.
Ein nicht zu unterschätzender Vorteil,
denn Stammdatenpflege ist ein mühsames,
zeitaufwändiges und oft auch fehlerbehaftetes
Geschäft im Bestandsmanagement. Überdies ist es
meistens gar nicht so einfach, jedes Fertigteil
des Lieferanten zu ermitteln, in das
ein oder mehrere(!) Kaufteile eingehen.
Leider gibt es auch einen gravierenden
Nachteil: Durch diese künstlich erhöhten
Preise werden Angebotsvergleiche bezogen
auf das Fertigteil, das Beschaffungsvolumen
und insbesondere auch die Kalkulation
der Fertigteile des Kunden verfälscht.
Die Kalkulationssicherheit ist ein
sehr hohes Gut des Bestandsmanagement. Es ist extrem entscheidend
für den Unternehmensgewinn und
liegt ganz wesentlich in der Mitverantwortung
des Einkaufs.
Praxis-Tipp: Binden Sie unbedingt im
Vorfeld Ihre kaufmännische Abteilung
mit ein, die zu Recht bei dieser grundlegenden
Fragestellung ein gehöriges Bestandsmanagement-Mitspracherecht
beansprucht.
Nicht-EU-Lieferanten
Hier müssen Sie noch eine zolltechnische
Fragestellung klären, die auch einen kalkulatorischen
Einfluss hat: Natürlich wollen
Sie keine Einfuhrumsatzsteuer für
Produkte bezahlen, die nach wenigen
Wochen veredelt wieder an Sie zurückgeliefert
werden.
Das muss vor einer Entscheidung
mit den Zollbehörden besprochen
und vereinbart werden, ansonsten
droht Ungemach! So kann etwa die
Rückerstattung der Einfuhrumsatzsteuer
verweigert werden, und schlimmstenfalls
endet der Transport zum Lieferanten bereits
am Grenzübergang.
Umsetzung
Die Umsetzung dieses Projekts ist einfach,
da sich weder für Sie noch für den
Lieferant im Materialfluss etwas ändert.
Der Lieferant wird praktisch automatisch
beliefert, das heißt, dass Sie wie bisher
die Materialdisposition durchführen.
Beachten Sie: Kompliziert wird es erst,
wenn der Lieferant seine benötigten Rohund
Halbfertigprodukte selbst bei Ihnen
bestellen soll.
Dafür benötigt er ein PPS-System und
qualifizierte Mitarbeiter, die zusätzlich
zu seiner bisherigen Wertschöpfung
(z. B. Montagedienstleistungen) erhebliche
Kosten verursachen.
Und die Kosten beim Kunden reduzieren
sich nicht deutlich, da es unerheblich ist,
ob eine Bedarfsermittlung über 20.000
Teile oder "nur" über 19.950 Teile läuft.
Die Prozesskosten beim Kunden bezüglich
der Kommissionierung/Auslieferung
ändern sich ebenso wenig wie die Transportkosten:
Das Material muss ja weiterhin
ausgeliefert und zum Lieferanten gebracht
werden.
In diesem Fall bietet sich gleich die
"große Lösung" an: Der Lieferant bestellt
die benötigten Produkte direkt beim Hersteller
(Ihr Lieferant) und wird für Sie so
zum Systemlieferanten.
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